70 Jahre KGParl: Jubiläumsprogramm

Institutsjubiläum

Die KGParl wurde 1952 vor dem Hintergrund der Erfahrung der nationalsozialistischen Diktatur gegründet. Ihr Auftrag lautete, an die demokratischen Traditionen der deutschen Geschichte zu erinnern. Durch Forschungen und Publikationen zur Entstehung und Entwicklung des Parlamentarismus, der Parteien und demokratischer Bewegungen sollte der deutschen Öffentlichkeit ein besseres Verständnis der parlamentarischen Demokratie vermittelt werden, um auf diese Weise zur Etablierung einer demokratischen Kultur in Deutschland beizutragen.

2022 kann das Institut auf eine 70-jährige Geschichte zurückblicken. Seit 1952 sind über 320 Publikationen in den verschiedenen Reihen der KGParl erschienen. Das sind rund 160.000 Druckseiten Parlamentarismus- und Parteiengeschichte. Hinzu kommen über 4.000 online veröffentlichte Protokolle im Rahmen des Editionsprogramms »Fraktionen im Bundestag«. Ihre verschiedenen Forschungsschwerpunkte machen die KGParl bis heute zu einer der wichtigsten wissenschaftlichen Institutionen der Erforschung der Demokratiegeschichte in Deutschland.

 

Jubiläumsprogramm

 

Veranstaltungen

70 Jahre KGParl – Jubiläumsfeier am 6. Mai 2022 in Berlin
»Geschichte und aktuelle Perspektiven der repräsentativen Demokratie«
Festvortrag, Podiumsdiskussion mit Buchpräsentation & Empfang

In Deutschland hat der moderne Parlamentarismus eine rund zweihundertjährige, wechselvolle Geschichte, die seit 70 Jahren von der KGParl erforscht wird. Aus diesem Anlass präsentiert die Kommission am 6. Mai 2022 in Berlin als Bilanz ihrer Arbeit eine Überblicksdarstellung der Parlamentarismus- und Demokratiegeschichte, an der namhafte Fachleute aus dem In- und Ausland mitgewirkt haben. Ein Festvortrag und eine Podiumsdiskussion werfen Schlaglichter auf die Geschichte und aktuelle Herausforderungen der repräsentativen Demokratie.

 

Workshop am 23. / 24. Juni 2022 in Berlin
»›Allgemeinheiten, denen die Farbe des Lebens fehlt?‹ Innovationspotentiale privater Überlieferung des 19. Jahrhunderts«

Erste Veranstaltung im Rahmen des von der DFG geförderten KGParl-Forschungsprojektes »Abgeordnetenleben 1871–1918«, die Nachwuchsforscherinnen und -forscher dazu einlädt, den bisher wenig beachteten Quellenwert »privater« Briefwechsel zu diskutieren.

 

Tagung am 6. / 7. Oktober in Berlin
»Kompromiss: Historisch-systematische Erkundungen eines parlamentarischen Entscheidungsmodus in Europa«

Der politische Kompromiss als essentielle Praxis parlamentarischer Kultur hat bislang wenig Aufmerksamkeit in der Geschichtswissenschaft gefunden. Die Funktions- und Entscheidungsfähigkeit parlamentarischer Systeme setzt einen Verfahrensmodus kommunikativer Verständigung zwischen verschiedenen Parteien zwingend voraus. Im europäischen Vergleich geht die Konferenz der Frage nach, welche politischen Konstellationen eine tragfähige Kompromisskultur ermöglichten oder verhinderten.

 

Erweiterung des Online-Angebots

Digitaler Zugriff auf KGParl-Publikationen

Bis Mai 2022 werden unter www.kgparl.de/publikationen alle Veröffentlichungen der KGParl seit 1952 katalogisiert. Außerdem stehen dann die Quellenbände der Reihen 1–3 »Von der konstitutionellen Monarchie zur parlamentarischen Republik«, »Militär und Politik« und »Die Weimarer Republik« kostenlos als PDF zum Download zur Verfügung. Das Online-Publikations-Angebot wird sukzessive erweitert.

 

Funktionserweiterung und neuer Onlineauftritt der Seite www.fraktionsprotokolle.de

Seit Januar 2022 ersetzt eine neue und ständig weiter entwickelte Webseite des auf TEI-XML-Grundlage umgestellten Editionsprogramms »Fraktionen im Deutschen Bundestag 1949–2005« den bisherigen PDF-Webauftritt. Nutzerinnen und Nutzer haben nun erstmals die Möglichkeit, zusätzlich zur einer modernisierten Volltextsuche, über ein Namensregister gezielt nach Personen in aktuell über 4.000 Fraktionssitzungen zwischen 1949 und 1983 zu recherchieren.

 

Publikationen

Jubiläumspublikation
»Parlamentarismus in Deutschland von 1815 bis zur Gegenwart«
herausgegeben von Andreas Biefang, Dominik Geppert, Marie-Luise Recker, Andreas Wirsching

Handbuch mit 16 Beiträgen, das den Parlamentarismus in Deutschland erstmals epochenübergreifend aus historischer Perspektive darstellt. In den Blick rückt die ganze Vielfalt des Themas von Wahlkämpfen über Geschlechterverhältnisse bis zur machtpolitischen Rolle der Parlamente. Vornehmlich verfasst von Mitgliedern der Kommission und MitarbeiterInnen des Instituts bietet das Buch Grundlagenwissen und Interpretationen auf dem aktuellen Stand der Forschung. Es ist zugleich ein Beitrag zur Gegenwartsbestimmung der repräsentativen Demokratie.

 

Parlamente in Europa, Band 8
»Vorhang auf!« – Frauen in Parlament und Politik
herausgegeben von Andreas Schulz und Tobias Kaiser

Vor etwa 100 Jahren erhielten auf einen Schlag Millionen von Frauen in Europa das Wahlrecht zugesprochen ‒ eine demokratische Revolution ungeheuren Ausmaßes. Erstmals traten weibliche Abgeordnete in die parlamentarische Arena, die bis dahin alleine von Männern besetzt war. In einem Vergleich verschiedener Länder Europas und der USA zeigen die Beiträge des Bandes, wie sich die politische Kultur durch die Beteiligung der Frauen veränderte.

 

Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 184
»Im Hinterland der Gegenrevolution. Die kommunistische Bewegung in der »Ordnungszelle Bayern« 1919 bis 1923«
von Sebastian Zehetmair

Erzählt wird die Geschichte der bayerischen KPD von ihren Ursprüngen in der Revolution 1918/19 bis zum Hitler-Ludendorff-Putsch und dem gescheiterten Aufstand der KPD im Spätherbst 1923. Der politische Sonderweg Bayerns in der Weimarer Republik konfrontierte die KPD mit spezifischen Problemen und prägte die Formen ihres Aktivismus. Bayern bildete im Selbstverständnis seiner Regierungen zwischen 1920 und 1923 die antisozialistische »Ordnungszelle« des Reiches. Untersucht wird die Politik der KPD sowohl im Kontext der in Bayern herrschenden Verhältnisse als auch in ihren Beziehungen zu den anderen Parteiorganisationen im Reich.

 

Parlamente in Europa, Band 9
»Hinter den Kulissen des Parlaments. Die jugoslawische Skupština 1919–1941«
von Jure Gašparič

Die Skupština, das erste Nationalparlament des aus dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie hervorgegangenen Neustaats Jugoslawien, stand vor der Aufgabe der politischen Integration multikonfessioneller und multiethnischer Nationalitäten. Von Anfang an scheiterten alle Versuche, einen parlamentarischen »Normalmodus« des Aushandelns politischer Kompromisse zu etablieren. Stattdessen zeichnete den jugoslawischen Parlamentarismus eine von verbaler und physischer Gewaltsamkeit geprägte politische Kultur aus, die auf das politische System insgesamt ausstrahlte und die Integrität des Gesamtstaats schwer belastete. Der Autor schildert in dichter Beschreibung und unter Einbeziehung der Medienberichterstattung einen parlamentarischen Alltag, der bei aller Besonderheit Jugoslawiens durchaus Vergleiche mit anderen Nationalparlamenten Europas in der Zwischenkriegszeit erlaubt.