Wahlrechtsfragen im Vormärz. Die Wahlrechtsanschauung im Rheinland 1815–1849 und die Entstehung des Dreiklassenwahlrechts

Schon im Vormärz nahm die Frage des Wahlrechts in allen politischen Erörterungen einen bedeutenden Platz ein, besonders im Rheinland, wo ein wirtschaftlich mächtiges, aber politisch noch einflußloses und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung Preußens in starker Minderheit befindliches Bürgertum erkannte, daß sein Anteil an der politischen Mitbestimmung wesentlich von der Art des Wahlrechts abhing. Charakteristisch für die Wahlrechtsanschauung der Rheinländer ist daher die Forderung, das Wahlrecht müsse den gesellschaftlichen Verhältnissen entsprechen und der führenden Gruppe der Gesellschaft den entscheidenden Einfluß im Staate geben.

Der Verfasser weist in seiner Studie diese Anschauung für die Mehrzahl der rheinischen Politiker und Publizisten von Benzenberg und Görres bis zu den Sprechern des großbürgerlichen Liberalismus und den Schülern Hegels in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts nach. Die Frage nach der Entstehung des Dreiklassenwahlrechts wird von ihm damit beantwortet, daß dieser Gedanke sich bei der Vorbereitung der Gemeindeordnung von 1845 mit dem verbreiteten Wunsch nach allgemeinem Wahlrecht verband und die Abstufung der Rechte nach dem Anteil am Steueraufkommen die soziale Geltung zum Ausdruck bringen sollte. Abschließend wird behandelt, wie hierdurch die Haltung vieler rheinischer Liberaler zum Wahlrecht auch 1848/49 bestimmt wurde, die sich nun mit den ebenfalls zur Minderheit gewordenen Konservativen Altpreußens verbanden. An Hand publizistischer und archivalischer Quellen zeigt der Verfasser auf, daß dann aus dem Zusammenwirken von Liberalen und Konservativen der Entschluß erwuchs, das Wahlrecht der rheinischen Gemeindeordnung zum parlamentarischen Wahlrecht Preußens zu machen, das bis zum Jahre 1918 in Geltung blieb.

Von
Reihe
Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus u. der politischen Parteien, Bd. 15
Erscheinungsjahr
Sprache
Deutsch
Seiten
163
Format
Leinen mit Schutzumschlag