Der Friede von Brest-Litowsk

Ein unveröffentlichter Band aus dem Werk des Untersuchungsausschusses der Deutschen Verfassunggebenden Nationalversammlung und des Deutschen Reichstages

Nach dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches im November 1918 stellte sich die drängende Frage, wer an der Niederlage schuldig sei. Auch die Verfassunggebende Deutsche Nationalversammlung wollte und konnte sich dieser für die junge demokratische Republik so verhängnisvollen Problematik nicht entziehen. Am 19. August 1919 rief sie auf Grund des Artikels 34 der Weimarer Verfassung einen besonderen Ausschuß ins Leben, der als Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung und des Reichstages bekannt geworden ist. Er versuchte in langjähriger Arbeit mit seinen vier Unterausschüssen durch Akteneinsicht, Zeugenvernehmungen und Anhörung von Sachverständigen seiner Aufgabe gerecht zu werden, »die Vorgänge festzustellen, die zum Ausbruch des Krieges geführt, seine Verlängerung veranlaßt und seinen Verlust herbeigeführt haben«. Publiziert wurde vornehmlich, abgesehen von Bänden, nur das Werk des 4. Unterausschusses über »Die Ursachen des Deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918«. Die anderen umfangreichen Aktenbestände sind zum größten Teil nach 1933 von den Nationalsozialisten vernichtet worden. Erhalten blieben die Materialien des 2. Unterausschusses, darunter eine geschlossene in vier Teile gegliederte Dokumentation über »Die Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen von Brest- Litowsk«. Das mit großer Sorgfalt und Sachkenntnis zusammengestellte Werk zeichnet nicht nur den Gang der Friedensverhandlungen in den Hauptlinien nach, sondern belegt das Wechselspiel von Kriegszielen und Friedensmöglichkeiten und deckt »die Hintergründe des Geschehens, die eigentlichen Absichten und Motive der Handelnden zumindest auf deutscher Seite« auf.

Die Dokumente liefern damit einen wichtigen Einblick in den politischen Willensbildungsprozeß und die innenpolitische Machtverteilung im kaiserlichen Deutschland. Die Vorherrschaft der Militärs, die Reichsleitung und Reichstag ihren gebieterischen Willen aufzwangen, ließ einem Frieden der Verständigung und des Ausgleichs keine Chance und mündete in das durch die bloße Gewalt der Waffen erzwungene Friedensdiktat von Brest-Litowsk, das, bei aller Härte, gleichwohl der jungen Sowjetrepublik für die fernere Zukunft die Freiheit des Handelns wahrte. Wegen der Bedeutung des vom 2. Unterausschuß über den Frieden von Brest-Litowsk erarbeiteten Materials hat sich die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien entschlossen, dieses den bisher publizierten Bänden des Untersuchungsausschusses nachträglich beizugeben. Prof. Dr. Werner Hahlweg, ein auf diesem Gebiet anerkannter Forscher wurde von ihr mit der Bearbeitung beauftragt. Seine ausführliche, sachkundige Kommentierung ergänzt die vom Untersuchungsausschuß geleistete Arbeit, dessen Entstehung, Zusammensetzung und Wirken in der Einleitung eingehend analysiert und gewürdigt werden. Der vorliegende Band liefert so, insgesamt gesehen, nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Frieden von Brest-Litowsk, sondern beleuchtet auch ein Stück Parlamentsgeschichte der Weimarer Republik.

Von
Reihe
Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien I – Von der konstitutionellen Monarchie zur parlamentarischen Republik, Bd. 8
Erscheinungsjahr
Sprache
Deutsch
Seiten
821
Format
Leinen mit Schutzumschlag
Preis
50,10 €
ISBN-10
3-7700-5066-5