Veranstaltungsankündigung: Tagung »Auf Achse –Parlamentarische Reisetätigkeit, Außenpolitik und internationale Vernetzung«

Am 4. und 5. November 2026 veranstaltet die KGParl die Tagung »Auf Achse –Parlamentarische Reisetätigkeit, Außenpolitik und internationale Vernetzung«.

Die Veranstaltung widmet sich einer bislang von der deutschen historischen Forschung wenig untersuchten Praxis: den Auslandsreisen von Abgeordneten und ihrer Bedeutung, insbesondere für die Außenpolitik und die Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland. Dabei sollen Parlamentarierinnen und Parlamentarier ausdrücklich als Akteurinnen und Akteure außenpolitischer Prozesse wahrgenommen und ins Zentrum der Analyse gerückt werden. Aufgrund ihrer intermediären Position agieren die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger außerhalb der exekutiven Außenpolitik und des diplomatischen Korps, zugleich aber als Repräsentantinnen und Repräsentanten eines Staatsorgans, der Volksvertretung. Diese Doppelstellung prägt auch ihre Reisetätigkeit, die sich in einem Spannungsfeld zwischen den Wissens-, Ressourcen- und Machtvorteilen der Exekutive einerseits und den Ansprüchen parlamentarischer Autonomie und Teilhabe andererseits bewegt.

Ziel der Tagung ist es, die Funktionen, Motive und Wirkmechanismen dieser Reisen aus historisch-vergleichender Perspektive zu analysieren. Damit sollen die Besonderheiten dieser parlamentarischen Praxis präzise herausgearbeitet werden.

Die Konferenz findet in den Räumlichkeiten der KGParl am Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin, statt. Eine Teilnahme ist nach vorheriger Anmeldung an info@kgparl.de möglich.

Programm [als PDF]

Mittwoch, 4. November 2026

09.00–09.30 Uhr – Begrüßung und Einführung

09.30–11.00 Uhr Panel I – Frühe Formen parlamentarischer Mobilität in unterschiedlichen verfassungsrechtlichen Kontexten

Moderation: Dr. Paul Lukas Hähnel (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

  • Martin Kuban, M.A. (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf): Nationale Außenpolitik im vornationalen Zeitalter – Friedrich von Raumers Reisen als deutscher Gesandter in Frankreich 1848
  • Lukas Yavari, M.A. (KGParl): Reisen von Reichstagsabgeordneten in die deutschen Kolonialgebiete
  • Lennart Schmidt, M.A. (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf): Die Auslandsreisen deutscher Reichstagsabgeordneter als konstitutives Element der parlamentarischen Praxis der Weimarer Außenpolitik

11.00–11.30 Uhr – Pause

11.30–13.00 Uhr Panel II – Unterstützung bei Demokratisierungsprozessen

Moderation: Dr. Barbara von Hindenburg (KGParl)

  • Anna Hesse, M.A. (KGParl): Kontaktaufbau, Informationsaustausch, logistische Unterstützung – Begegnungen von westdeutschen Bundestagsabgeordneten mit Mitgliedern der Friedensbewegung der DDR (1980er Jahre)
  • PD Dr. Bastian Matteo Scianna (Universität Potsdam): Reisen, vernetzen, unterstützen. Der Einfluss deutscher Bundestagsabgeordneter auf die deutsch-baltischen Beziehungen nach 1990
  • Guillaume Placide-Breitenbucher (Universität Straßburg): Ein Stipendium zur Vernetzung. Abgeordnetenreisen im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS) in osteuropäischen Ländern nach 1989

13.00–14.00 Uhr Mittagspause

 14.00–15.30 Uhr Panel III – Zwischen individueller Profilierung und informeller Diplomatie

Moderation: Cordula Greinert, M.A. (KGParl)

  • Dr. Volker Stalmann (KGParl): Die Reisen des CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten Franz Josef Strauß
  • Dr. Stephen Milder (Universität der Bundeswehr München): »Das Parlament ist kein Ziel, sondern Teil einer Strategie«. Die Reisen Petra Kellys als »informelle Außenpolitik«
  • Dr. Bettina Tüffers (KGParl): Die Israelreise von Sabine Bergmann-Pohl, Rita Süssmuth und Konrad Weiß im Juni 1990

15.30–16.00 Uhr Pause

16.00–17.15 Uhr Panel IV – Informationsgewinnung und parlamentarische Kontrollpraxis

Moderation: Dr. Sven Jüngerkes (KGParl)

  • Jahn Lukas Hermann, M.A. (Johannes Gutenberg Universität Mainz): Auf Achse für die deutsche Kultur. Reisen der Enquete-Kommission »Auswärtige Kulturpolitik«
  • Dr. Sophie Lange (Institut für Zeitgeschichte München, AAPD Berlin): MdB auf toxischer Spurensuche (in Ostmitteleuropa)

 

Donnerstag, 5. November 2026

09.00–10.15 Uhr Panel V – Zwischen sozialistischer Ordnung und politischem Übergang – Vergleichende Perspektiven

Moderation: Dr. Tobias Kaiser (KGParl)

  • PD Dr. Paulina Gulińska-Jurgiel (Martin-Luther-Universität Halle): Reisen als Akt der Demokratisierung. Aushandlungen und Praktiken der polnischen Abgeordneten im sog. Kontrakt-Sejm (1989–1991)
  • Dr. Adéla Gjuričová (Institute of Contemporary History of the Czech Academy of Sciences): Between Local Malpractice and Foreign Criticism: The Travels of the Socialist Parliament

10.15–10.45 Pause

10.45–12.00 Uhr Panel VI – Reisen in Konflikt- und Transformationskontexten

Moderation: Prof. Dr. Dominik Geppert (Universität Potsdam)

  • Dr. Johannes Dafinger (Universität Salzburg): Reisen von Bundestagsabgeordneten nach Südafrika und Namibia in der Zeit der Apartheid – informelle oder parlamentarische Außenpolitik?
  • Dr. Fabian Bennewitz (Institut für Zeitgeschichte München, AAPD Berlin): Reisen in die Konfliktzone: Reisende MdB, bundesdeutsche Außenpolitik und die Demokratisierung Zentralamerikas in den 1980er Jahren

12.00–12.30 Uhr Schlussreflexion