Parlamentarische Kulturen in Europa. Das Parlament als Kommunikationsraum

Die Geschichte des Parlamentarismus in Europa lässt sich allein mit Blick auf die einzelnen Nationalstaaten nicht angemessen erfassen. Von Beginn an ist die Entwicklung nationaler Parlamente ein Prozess des Austauschs und der wechselseitigen Beobachtung, der an den Grenzen der Nationalstaaten nicht Halt macht – als Beispiele seien genannt die intensive politische Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution, die Ausstrahlungskraft des Westminster-Parlaments oder das Modell der belgischen Verfassung von 1830. Für die Erforschung beider Aspekte – Vergleich und Transfer – fehlte allerdings bislang das empirische Fundament, insbesondere im Hinblick auf die Länder Mittel- und Osteuropas. Die neue Publikationsreihe »Parlamente in Europa« bezieht deshalb auch die Parlamentsgeschichte der Habsburgermonarchie und ihrer Nachfolgestaaten sowie die neu entstandenen Parlamente seit 1989/90 mit ein.

Kommunikationsraum Parlament

Parlamente agieren, indem sie reden; Parlamentarismus ist primär Kommunikation. Geredet wird auf mehreren Ebenen: zwischen Abgeordneten, in den Parteien, mit der Regierung, über die Medien und vor den Augen der Öffentlichkeit. Deshalb liegt es für die Parlamentarismusforschung auf der Hand, Rhetorik, Symbolik, Performanz und Perzeption parlamentarischer Kommunikation zu untersuchen. Eine Kulturgeschichte parlamentarischer Kommunikation eröffnet neue Perspektiven auf die institutionelle Macht des Parlaments, denn wie Barbara Stollberg-Rilinger in dieser Neuerscheinung schreibt: »Politische Inhalte und strukturelle Machtfragen sind ohne ihre kommunikative Form nicht zu haben.«

Das Buch

Beide Aspekte – parlamentarische Kulturen in Europa und die Kommunikation – verbindet der von Andreas Schulz und Andreas Wirsching herausgegebene Sammelband. Er untersucht die interne wie die öffentliche Kommunikation europäischer Parlamente, und zwar mit dem Ziel einer Vergleichs- und Transfergeschichte. Die 21 Beiträge (Inhaltsverzeichnis) handeln von der Sprache und dem Stil parlamentarischer Debatten, von feierlichen Zeremonien und parlamentarischen Ritualen, von Geschäftsordnungen und informellen Konventionen. Es geht um die Parlamentsarchitektur und um die Presseberichterstattung, um das rhetorische Ideal des Redners, die visuelle Repräsentation der Abgeordneten und sogar um Gewalt als extreme Form der Kommunikation. Zeitlich reicht die Spanne der behandelten Themen vom frühen 19. Jahrhundert bis zum Europäischen Parlament der Gegenwart, ein räumlicher Schwerpunkt liegt in Ostmitteleuropa. Die Beiträge gehen auf eine internationale Konferenz zurück, die im November 2010 in Berlin stattgefunden hat (Tagungsbericht). Mit der Publikation der Ergebnisse der Tagung eröffnet die KGParl eine neue Reihe über »Parlamente in Europa«.

Von
Reihe
Parlamente in Europa 1, Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Band 162
Erscheinungsjahr
Seiten
456
Format
Klappenbroschur
Preis
49,80 €
ISBN
978-3-7700-5314-8
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