»In dieser schweren und hochernsten Zeit« – Ministerpräsident und Reichskanzler Georg von Hertling im Ersten Weltkrieg (1914–1919). Edition
Georg von Hertling (1843–1919) war Hochschullehrer, Mitgründer der Görres-Gesellschaft und führender Parlamentarier der Zentrumspartei. 1912 wurde er bayerischer Ministerpräsident, im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs amtierte er als Reichskanzler. Trotz energischen Widerstands der Obersten Heeresleitung bemühte er sich um eine eigenständige Politik. Dass viele seiner Initiativen erfolglos blieben, darf den Blick auf die Handlungsspielräume und den Gestaltungswillen seiner Amtszeit nicht verstellen.
Diese Edition und die sie begleitende Darstellung laden zu einer Neubewertung von Hertlings Kanzlerschaft ein. Im Mittelpunkt stehen die Friedensinitiativen gegenüber Russland und den Westmächten sowie Hertlings Haltung zum Selbstbestimmungsrecht der Völker. Neue Erkenntnisse ergeben sich aus föderalismus- und verfassungsgeschichtlicher Perspektive auf den Kriegsausbruch von 1914, Hertlings Rücktritt und das Waffenstillstandsersuchen im Herbst 1918. Eng damit verbunden ist die Frage nach der Rolle des Reichstags und den Aussichten einer Parlamentarisierung des Kaiserreichs.
Die Edition erschließt 565 Briefe und Akten, darunter die dienstliche Korrespondenz mit der Obersten Heeresleitung, dem Auswärtigen Amt, Vertretern der übrigen Reichsämter sowie Ministern der Bundesstaaten. Hinzu kommen Schreiben an Familienangehörige sowie an Vertraute und Weggefährten aus Wissenschaft, Kirche und Politik. Die Briefe zeigen Hertling als einen Politiker, der unter den Bedingungen des Krieges den Gestaltungsspielraum der Reichsleitung zu bewahren und zu erweitern suchte, während ihm die politischen und militärischen Machtverhältnisse enge Grenzen setzten.


