Der Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat 1918/1919

Nahezu lückenlos dokumentieren die Protokolle die politische Arbeit eines regionalen Rätegremiums während der entscheidenden Revolutionsmonate von November 1918 bis März 1919. Ihrem historischen Gegenstand sind sie erfreulich nahe. Sie lassen nicht nur die großen Linien der Politik des Arbeiter- und Soldatenrats erkennen, sondern auch die vielfältigen Schwankungen und Irritationen, die der Fortgang des revolutionären Geschehens bei seinen Mitgliedern auslöste. Der herausgehobene Stellenwert der Quelle erwächst darüber hinaus aus der besonderen Situation der Hansestadt, in der im Gegensatz zu den meisten Ländern des Deutschen Reichs keine aus der Revolution hervorgegangene Regierung, sondern ein im konstitutionellen Verfassungssystem des Kaiserreichs gründender und ohne Beteiligung der SPD gebildeter Senat den Arbeiter- und Soldatenräten gegenüberstand.

Der Textkorpus der Edition umfasst die im Hamburger Staatsarchiv liegenden Sitzungsprotokolle des Hamburger Arbeiter- und Soldatenrats vom 11. November 1918 bis 24. März 1919 sowie die wichtigsten und aussagekräftigsten Kurzprotokolle der Vollversammlungen der Soldatenräte und des Großen Arbeiterrats. Ergänzt wird der Bestand durch zentrale Bekanntmachungen des Senats und des Arbeiter- und Soldatenrats sowie einzelne, die Protokolle komplettierende Presseartikel über Versammlungen des Rats. Die dem Projekt zugrunde liegenden Quellen sollen ein möglichst umfassendes und zugleich differenziertes Bild der Organisationen und Tätigkeit der Arbeiter- und Soldatenräte in Hamburg vermitteln.

Die Edition soll helfen, die Frage nach den Aktionsräumen, Konzeptionen und den Durchsetzungsmöglichkeiten der Hamburger Arbeiter- und Soldatenräte zu klären. Konnte der Rat als Vertretungsforum einer demokratischen Massenbewegung, als eine die Demokratisierung aktiv unterstützende Kraft bezeichnet werden oder war er in seiner inneren Zerrissenheit und in seiner offenkundigen Konzeptionslosigkeit nicht institutioneller Ausdruck einer amorphen Protestbewegung? Welchen Einfluss vermochte das Gremium konkret bei der Ausgestaltung der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse auszuüben? Gelang es ihm, wesentliche Strukturreformen zur breiteren Fundierung der parlamentarischen Demokratie in die Wege zu leiten? Wurde er schließlich von einer politisch zerklüfteten, stark emotionalisierten Öffentlichkeit als eigenständiger, verantwortlich handelnder Faktor oder nur als irritierendes, störendes Moment, als Bedrohung, gar als Instrument der Bolschewisierung wahrgenommen?

Von
Reihe
Quellen zur Geschichte der Rätebewegung in Deutschland 1918/19 IV
Erscheinungsjahr
Seiten
1100
Format
Leinen mit Schutzumschlag
Preis
160,00 €
ISBN
3-7700-5319-3
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